Warum Rankings bei einem Relaunch verloren gehen
Ein Relaunch ist der Neuaufbau einer bestehenden Website. Oft ändern sich dabei Aufbau, Technik und Adressen der Unterseiten. Aus „/leistungen/badsanierung.html“ wird zum Beispiel „/leistungen/bad/“. Für dich ist das eine Kleinigkeit. Für Google ist es eine neue Seite, über die es noch nichts weiß.
Rankings gehen vor allem aus drei Gründen verloren:
- Alte Adressen führen ins Leere. Google und Besucher landen auf einer Fehlerseite statt auf dem neuen Inhalt.
- Inhalte fallen weg. Seiten, die bisher Besucher gebracht haben, werden beim Neuaufbau gestrichen oder stark gekürzt.
- Technische Sperren bleiben aktiv. Die Testumgebung war für Suchmaschinen gesperrt. Diese Sperre geht versehentlich mit live.
Alle drei lassen sich mit Planung weitgehend vermeiden. Google beschreibt das Vorgehen für einen Umzug mit neuen URLs ausführlich in seiner Dokumentation. Die folgenden Schritte fassen es für kleine Unternehmen zusammen.
Schritt 1: Inventur der alten Website
Bevor du etwas änderst, schreib auf, was es gibt. Google empfiehlt, die alten URLs aus Sitemaps, Analysedaten und Server-Protokollen zu sammeln. Eine URL ist die vollständige Adresse einer Seite.
So gehst du vor:
- Sitemap herunterladen. Viele Websites haben eine XML-Datei mit allen Seiten, oft unter /sitemap.xml.
- Search Console exportieren. Die Google Search Console ist ein Werkzeug von Google für Website-Betreiber. Im Leistungsbericht siehst du Klicks, Impressionen und Position je Seite. Über „Exportieren“ lädst du die Daten herunter. So weißt du später, welche Seiten wichtig waren.
- Analysedaten prüfen. Welche Seiten haben die meisten Besucher und Anfragen gebracht?
- Wichtige Dateien nicht vergessen. PDFs wie Preislisten oder Flyer haben ebenfalls Adressen und werden oft verlinkt.
Halte für jede Seite fest:
| Spalte | Beispiel |
|---|---|
| Alte URL | /leistungen/badsanierung.html |
| Klicks der letzten drei Monate | Wert aus der Search Console |
| Seitentitel | Badsanierung in Moers |
| Bleibt der Inhalt? | ja, wird überarbeitet |
| Neue URL | /leistungen/bad/ |
Diese Tabelle ist die Grundlage des ganzen Relaunchs. Mit ihr arbeitest du in allen weiteren Schritten.
Schritt 2: Den Weiterleitungsplan erstellen
Ordne jeder alten URL genau eine neue zu. Dabei gilt:
- Eins zu eins, wo es geht. Die alte Seite zur Badsanierung leitet auf die neue Seite zur Badsanierung weiter, nicht auf die Startseite.
- Zusammengelegte Inhalte leiten auf die Seite weiter, die den Inhalt jetzt enthält.
- Gestrichene Inhalte ohne Ersatz bekommen keine Weiterleitung. Die Adresse liefert dann den Statuscode 404 oder 410. Laut Google entfernt die Suche solche Adressen nach und nach aus dem Index.
- Keine Ketten. Google rät, direkt auf das endgültige Ziel weiterzuleiten, statt Weiterleitungen aneinanderzuhängen. Wenn die alte Website schon Weiterleitungen hat, lass sie direkt auf das neue Ziel zeigen.
Leite nicht pauschal alles auf die Startseite. Wer einen alten Link zur Badsanierung anklickt, will etwas über Bäder lesen und keine allgemeine Startseite sehen.
Schritt 3: 301-Weiterleitungen richtig einrichten
Eine Weiterleitung schickt Browser und Suchmaschinen von einer alten Adresse automatisch zur neuen. Entscheidend ist die Art der Weiterleitung. Google unterscheidet:
| Statuscode | Bedeutung | Wann einsetzen |
|---|---|---|
| 301 oder 308 | dauerhaft verschoben | beim Relaunch für alle umgezogenen Seiten |
| 302 oder 307 | vorübergehend verschoben | nur für kurze Zeit, etwa bei Wartung |
| 404 oder 410 | Seite gibt es nicht mehr | für gestrichene Inhalte ohne Ersatz |
Google empfiehlt für dauerhafte Umzüge eine serverseitige, permanente Weiterleitung, also 301 oder 308. Serverseitig heißt: Der Server antwortet direkt mit der Weiterleitung, bevor eine Seite geladen wird. Weiterleitungen per JavaScript erkennt Google zwar auch, nennt sie aber nur als letzte Möglichkeit.
Wie lange sollen die Weiterleitungen bleiben? Google schreibt: so lange wie möglich, in der Regel mindestens ein Jahr. In der Praxis spricht wenig dagegen, sie dauerhaft zu behalten. Alte Links in Branchenverzeichnissen, Mails und Lesezeichen funktionieren nur mit ihnen.
Schritt 4: Inhalte und Signale mitnehmen
Weiterleitungen allein reichen nicht, wenn die neue Seite deutlich weniger bietet als die alte. Prüfe deshalb vor dem Start:
- Texte. Seiten mit vielen Klicks behalten ihren Kern. Überarbeiten ist gut, kürzen auf zwei Sätze nicht.
- Seitentitel und Beschreibungen. Übernimm, was funktioniert hat. Den Rest verbesserst du.
- Interne Links. Google empfiehlt, die Links innerhalb der neuen Website direkt auf die neuen Adressen zu setzen. So muss niemand über eine Weiterleitung gehen.
- Canonical-Tags. Ein Canonical-Tag sagt Google, welche Adresse die maßgebliche Version einer Seite ist. Er muss auf die neue Adresse zeigen, nicht auf die alte oder auf die Testumgebung.
- Sperren entfernen. Prüfe die Datei robots.txt und die Anweisung noindex. Beide dürfen wichtige Seiten nach dem Start nicht mehr blockieren.
- Neue Sitemap. Bereite eine Sitemap mit den neuen Adressen vor.
Schritt 5: Livegang und Kontrolle in der Search Console
Am Tag des Starts schaltest du die Weiterleitungen gleichzeitig mit der neuen Website frei. Danach:
- Weiterleitungen testen. Ruf eine Auswahl alter Adressen auf, vor allem die mit den meisten Klicks. Jede muss mit einem Schritt auf der richtigen neuen Seite landen. Das URL-Prüftool der Search Console zeigt dir, wie Google eine Adresse sieht.
- Sitemap einreichen. Reiche die neue Sitemap in der Search Console ein.
- Domainwechsel melden. Nur wenn du auch die Domain wechselst, nutzt du das Tool zur Adressänderung. Laut Google wirkt die Meldung 180 Tage lang. Für neue Pfade auf derselben Domain, den Wechsel auf HTTPS oder zwischen www und ohne www ist das Tool nicht gedacht.
- Seitenindexierung beobachten. Der Bericht zur Seitenindexierung zeigt, welche Seiten Google indexiert und warum andere fehlen. Typische Gründe sind Fehler 404, zu lange Weiterleitungsketten, Sperren durch robots.txt oder ein vergessenes noindex.
- Leistung vergleichen. Vergleiche Klicks und Impressionen der wichtigsten Seiten mit deinem Export aus Schritt 1.
Bleib dabei gelassen. Google schreibt ausdrücklich, dass das Ranking während eines Umzugs vorübergehend schwanken kann. Bei mittelgroßen Websites kann es laut Google einige Wochen oder länger dauern, bis die neuen Adressen nach und nach erscheinen. Handlungsbedarf besteht, wenn wichtige Seiten auch nach mehreren Wochen fehlen oder der Bericht viele Fehler zeigt.
Die Checkliste zum Abhaken
Vor dem Start
- Alle alten URLs erfasst, auch PDFs
- Daten aus der Search Console exportiert
- Jeder alten URL ein Ziel oder bewusst 404 oder 410 zugeordnet
- Keine Weiterleitungsketten
- Interne Links zeigen auf neue Adressen
- Canonical-Tags geprüft
- Neue Sitemap vorbereitet
Am Tag des Starts
- Weiterleitungen als 301 oder 308 aktiv
- robots.txt und noindex geprüft
- Wichtigste alte Adressen getestet
- Sitemap eingereicht
In den Wochen danach
- Bericht zur Seitenindexierung wöchentlich angesehen
- Klicks der wichtigsten Seiten mit dem Export verglichen
- Weiterleitungen bleiben mindestens ein Jahr bestehen
Unterstützung beim Relaunch
Wenn du wissen willst, wie deine heutige Website technisch dasteht, nutze Website prüfen lassen. Einen Neuaufbau mit ZEHO Webvision beschreibt die Seite Webdesign.